Russin flieht aus Quarantäne – Gericht ordnet erstmals Zwangseinweisung an

Kann jemand gezwungen werden, in Quarantäne zu bleiben, wenn er es nicht will? Ein russisches Gericht hat diese Frage nun mit einem Ja beantwortet. Eine Frau aus Sankt Petersburg wird per Gerichtsentscheid in eine Klinik zwangseingewiesen.

Eine Frau, die im nordrussischen St. Petersburg aus der Coronavirus-Quarantäne ausgebrochen war, ist per Gerichtsentscheid zurück in die Klinik zwangseingewiesen worden. Alla I. wurde am Montag gegen ihren Willen mit einem Krankenwagen direkt vom Gerichtsgebäude zur Isolierstation gebracht, wie lokale Medien berichteten. Die Maßnahme gilt mindestens bis Mittwoch.

Die 32-Jährige hatte am 7. Februar in der Klinik das elektronische Schloss einer Tür geknackt und war aus dem Gebäude geflohen. Vier Tage nach ihrer Flucht berichtete Alla I. auf Instagram von den Vorkommnissen. Erst nachdem die Massenmedien ihre Geschichte aufgegriffen hatten, begann das Gesundheitsamt nach ihr zu suchen, berichtet unter anderem das Nachrichtenmagazin “Medusa”. Zuvor hat ihre Flucht aus der Quarantäne offenbar niemanden gekümmert.

Russische Medien sprachen von einer beispiellosen Entscheidung, weil niemand gegen seinen Willen in Quarantäne gestellt werden dürfe. Viele Russen solidarisieren sich mit Alla I. und empfinden das Urteil als puren Aktionismus.

Coronavirus bei der Verurteilten nicht nachgewiesen 

Die 32-Jährige hatte nach einer China-Reise über Halsschmerzen geklagt. Obwohl bei ihr nach eigenen Angaben kein Sars-CoV-2 festgestellt wurde, sollte sie vorsorglich zwei Wochen zur Beobachtung in der Klinik bleiben, um mögliche Ansteckungen zu vermeiden. 

Die 32-Jährige ist nicht die einzige Patientin, die nicht in Quarantäne bleiben wollte. Am 11. Februar verließen drei weitere Personen die Quarantäne. Zwei von ihnen konnten überzeugt werden, zurückzukehren, schreibt der russische Dienst der “Deutschen Welle”

Die russischen Behörden sind wegen der Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit Covid-19 im Nachbarland China nervös. In Russland sind bislang zwei Fälle nachgewiesen worden. Die russische Verbraucherschutzbehörde teilte am Montag mit, dass im äußersten Osten des Landes mehr als 500 Chinesen unter ärztlicher Beobachtung stünden.

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